Arbeit wechseln – Einführung

Herr Rot

Sie haben sich heute ungemein über Ihren Chef geärgert. Er hat Ihre Präsentation kritisiert, obwohl er von dem Projekt kaum so viel versteht wie Sie. Da müssen Sie weg! Das lassen Sie sich nicht gefallen! Ihr Chef wird sich umschauen, denn ein Ersatz würde Monate brauchen, bis er Sie auch nur annähernd ersetzen kann. Außerdem wissen Sie, dass man regelmäßig die Arbeit wechseln soll, um nicht als verstaubt zu gelten.

Herr Blau

Es ist Sonntagabend. Ihnen steht eine ganze Arbeitswoche bevor und allein bei dem Gedanken daran, dreht sich Ihnen der Magen um. Sonntags können Sie bei dem Gedanken an die heranstehende Woche kaum entspannen.

Sollten Sie die Arbeit wechseln?

Weder bei Herrn Blau, noch bei Herrn Rot ist ein Arbeitswechsel zwingend nötig. Aber vor allem Herr Blau sollte über seine derzeitige Arbeitssituation reflektieren. Herr Rot sollte erst einmal einen Schritt zurücktreten und sehen, wie er sich in ein paar Tagen fühlt, um sich nicht durch die Emotionen, die durch den akuten Konflikt entstanden sind, leiten zu lassen. Auch wenn heute Flexibilität positiv bewertet wird und eine Karriere in nur einem Unternehmen kritisch betrachtet wird, sollte jeder Arbeitswechsel gut durchdacht werden.

Nicht auf Kleinigkeiten reagieren

Oft sind es Kleinigkeiten, die zum Frust führen und Gedanken schüren, dass man die Arbeit wechseln sollte. Diese Kleinigkeiten jedoch lassen sich in der Regel leicht beheben. Vielleicht stammt ihr Frust daher, dass Sie sich nicht wirklich auf die Arbeit konzentrieren können. Kein Wunder, Ihr Büro liegt neben dem Heizungsraum und der Lärm und die Temperaturschwankungen tun ihr Nötiges.

Sie wollten aber sowieso schon immer ihren eigenen Reiterhof eröffnen? Der Schritt in die Selbstständigkeit ist eine Option, der Grund aber sollte nicht der Heizungsraum sein, denn durch ein Gespräch mit der Personalleitung sollte dieses Problem leicht zu beheben sein.

Selbstreflexion: Arbeit wechseln – Ja oder Nein?

Beantworten Sie die folgenden Fragen für sich ehrlich und ausführlich. Steht man im Wald, sieht man diesen bekanntlich vor lauter Bäumen nicht. Ziehen Sie also, wenn möglich eine Vertrauensperson, wie Ihren Lebenspartner hinzu, um die Antworten, die Sie im Folgenden geben sollen, zu bewerten. Reflektieren Sie nochmal mit der zweiten Person, um zu überprüfen, ob Ihr Blick eventuell manchmal getrübt ist.

  • Stehe Sie morgens gern für die Arbeit auf?
  • Freuen Sie sich auf Ihre Kollegen? Wie ist Ihr Verhältnis?
  • Können Sie Ihren Kollegen vertrauen?
  • Wie bewerten Sie das Arbeitsklima?
  • Wie bewerten Sie die Unternehmensführung?
  • Fühlen Sie sich anerkannt?
  • Fühlen Sie sich über- oder unterfordert?
  • Was können Sie am besten?
  • Können Sie Ihre Stärken an Ihrem derzeitigen Arbeitsplatz einbringen?
  • Warum haben Sie sich für diese Stelle entschieden?
  • Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
  • Erkennen Sie einen Sinn in Ihrer Arbeit? Machen Sie einen Unterschied?
  • Erhalten Sie eine angemessene Entlohnung?
  • Wie empfinden Sie Ihren Arbeitsweg?
  • Können Sie Urlaube gut planen?
  • Wie groß ist der Anteil der Arbeit, die Ihnen Spaß macht?
  • Wie groß ist der Anteil der Arbeit, den sie nicht besonders mögen?
  • Wo sehen Sie sich selbst in 10 Jahren?
  • Bietet das Unternehmen entsprechende Perspektiven?
  • Wie fühlen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Reflexion – 2. Teil:

Bedenken Sie, dass an jedem Arbeitsplatz Kompromisse geschlossen werden müssen. Ist es für Sie entscheidend, viel Verantwortung zu tragen, ist eine Stelle, in der Sie keine eigenen Entscheidungen treffen, unpassend. Stellen Sie fest, ob es Kleinigkeiten sind oder entscheidende Faktoren, bevor Sie die Arbeit wechseln. Erstellen Sie hierfür eine Entscheidungsmatrix (siehe unten). Entscheiden Sie, welche Faktoren eine doppelte Gewichtung verdienen, welche eine einfache, und welche Faktoren für Sie keine Rollen spielen. Vielleicht gibt es auch Gründe, die eine vier- oder fünffache Gewichtung verdienen. Entscheiden Sie selbst. Nun vergeben Sie Noten und errechnen dann den Durchschnitt. Diese Note können Sie auch für einen potentiellen neuen Arbeitgeber errechnen, doch hier müssen Sie oft raten und Sie sollten vorsichtig sein, hier keine Wunschnoten zu vergeben.

Arbeit wechseln: Gute und schlechte Gründe

Wenn Sie Ihre Matrix erstellen, ziehen die zu benotenden Kriterien aus Ihrer Selbstreflexion. Einige Gründe, die unbedingt mit einbezogen werden sollten und welche, die Sie nochmal überdenken sollten, sind folgende:

Gute Gründe, die Arbeit zu wechseln oder intern etwas zu ändern

  • Gesundheit: Wenn Ihre Arbeit Ihre Gesundheit beeinträchtigt, ist das einer der wichtigsten Gründe zu handeln. Entweder sollten Sie die Arbeit wechseln oder dringend an den derzeitigen Bedingungen ihrer Arbeit schrauben.
  • Fehlende Herausforderungen
  • Fehlende Perspektiven
  • Unsicherheit
  • Ungerechtigkeit und Bevorzugungen

Fragwürdige Gründe

  • Aktueller Konflikt: Sehen Sie sich das Gesamtbild an, keinen Einzelfall
    • B. Konflikt mit dem Chef, einem Mitarbeiter, etc.
    • eigenes „Versagen“ in einem Projekt
    • unzufrieden stellender Auftrag: Das kann überall passieren. Sehen Sie das Gesamtbild

Die Entscheidungsmatrix:

Doppelte Gewichtung:

Derzeitiger Arbeitgeber Potentieller Arbeitgeber
Stehe ich morgens gern für die Arbeit auf 4 2
Arbeitsklima 2 3
Unternehmensführung 5 3
Perspektiven 5 2
Etc. (Ihre Liste sollte länger sein)
Gesamtnote 16:4 = 4 10:4 = 2,5

 

Einfache Gewichtung:

Derzeitiger Arbeitgeber Potentieller Arbeitgeber
Entlohnung 2 3
Eigenverantwortung 4 2
Gestaltungsspielraum 3 2
Kinderbetreuung 1 3
Etc. (Ihre Liste sollte länger sein)
Gesamtnote 10:4 = 2,5 10:4 = 2,5

 

Derzeitiger Arbeitgeber Potentieller Arbeitgeber
Gesamtnote (4×2 + 2,5) : 3 = 3,5 (2,5×2 + 2,5) : 3 = 2,5

 

Nach der Selbstreflexion

Nun ist es an der Zeit zu handeln. Entweder sprechen Sie innerhalb der Firma Missstände an und retten Ihren derzeitigen Arbeitsplatz oder es heißt: “Arbeit wechseln”. Sollten Sie nun die Arbeit wechseln, übereilen Sie nun nichts. Bewerten Sie potentielle neue Arbeitgeber nach derselben Matrix und beziehen Sie Ihre Familie mit ein. Ein Jobwechsel bedeutet oft, dass Sie für häusliche Pflichten eine Zeitlang zu müde sind. Beginnen Sie den neuen Job richtig und bereiten Sie sich entsprechend vor.

Weiterlesen und zusätzliche Informationen:

Der Karriere Coach

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